CIS Controls
Die CIS Critical Security Controls sind ein priorisierter Katalog von 18 Sicherheitsmaßnahmen mit 153 konkreten Einzelschritten, den sogenannten Safeguards – entwickelt aus der Analyse realer Angriffe und frei verfügbar. Drei aufeinander aufbauende Ausbaustufen – die Implementation Groups – machen daraus einen abarbeitbaren Fahrplan: vom Basisschutz für kleine IT-Teams bis zur Verteidigung gegen gezielte Angriffe.
Was sind die CIS Controls?
Die CIS Critical Security Controls sind ein priorisierter Katalog von 18 Sicherheitsmaßnahmen mit 153 konkreten Einzelschritten, den sogenannten Safeguards – entwickelt aus der Analyse realer Angriffe und frei verfügbar. Drei aufeinander aufbauende Ausbaustufen – die Implementation Groups – machen daraus einen abarbeitbaren Fahrplan: vom Basisschutz für kleine IT-Teams bis zur Verteidigung gegen gezielte Angriffe.
Herausgeber ist das Center for Internet Security (CIS), eine gemeinnützige Organisation, die die Controls gemeinsam mit einer weltweiten Community aus Praktikern, Behörden und Unternehmen pflegt. Entstanden sind sie 2008 als Reaktion auf reale Datenverluste – lange unter dem Namen „SANS Top 20" bekannt. Die aktuelle Version 8.1 (2024) umfasst 18 Controls mit 153 Safeguards und ist an die Govern-Funktion des NIST Cybersecurity Framework 2.0 angeglichen. Die Nutzung ist kostenlos.
Der entscheidende Unterschied zu Normenkatalogen: Die CIS Controls sind präskriptiv. Jeder Safeguard beschreibt eine konkrete, überprüfbare Maßnahme – nicht „Zugriffe sind angemessen zu beschränken", sondern zum Beispiel: Multi-Faktor-Authentisierung für alle extern erreichbaren Anwendungen. Das macht sie zu einer abarbeitbaren Liste mit sichtbarem Fortschritt statt zu einem Interpretationsspielraum.
Implementation Groups: nicht alles, sondern das Richtige zuerst
Kaum eine Organisation kann 153 Maßnahmen auf einmal umsetzen – und kaum eine muss es. Die Controls bringen ihre Priorisierung deshalb gleich mit: Drei aufeinander aufbauende Implementation Groups (IGs) ordnen jeden Safeguard einer Ausbaustufe zu. Die Auswahl der passenden Gruppe richtet sich nach Größe, Risikoprofil und den Daten, die eine Organisation verarbeitet.
Der Einstieg ist immer IG1 – vom CIS bewusst „Essential Cyber Hygiene" genannt: das Minimum, das jede Organisation gegen die häufigsten Angriffe braucht. Wer IG1 beherrscht, erweitert bei Bedarf auf IG2 und IG3. So entsteht ein Fahrplan mit klaren Etappen statt einer erdrückenden Gesamtliste.
Gemessen an echten Angriffen: das Community Defense Model
Die meisten Sicherheitskataloge behaupten Wirksamkeit – die CIS Controls messen sie. Das Community Defense Model (CDM) des CIS zerlegt die fünf häufigsten Angriffsarten aus Branchen-Bedrohungsdaten – Malware, Ransomware, Angriffe auf Webanwendungen, Insider-Missbrauch und gezielte Angriffe – in die dahinterliegenden Angriffstechniken nach MITRE ATT&CK. Dann wird jeder Safeguard dagegen abgeglichen: Welche Techniken verhindert oder erschwert er?
Das Ergebnis ist bemerkenswert: Bereits IG1 – die 56 Safeguards des Basisschutzes – verteidigt gegen 77 Prozent der ATT&CK-Techniken, die in den fünf häufigsten Angriffsarten vorkommen. Mit allen Safeguards steigt der Wert auf 91 Prozent. Für Ransomware liegt die Abdeckung bei 78 beziehungsweise 92 Prozent. Als wirksamster Einzel-Safeguard über alle fünf Angriffsarten erwies sich die sichere Konfiguration (Safeguard 4.1) – der Auslieferungszustand von Systemen ist der beste Freund des Angreifers.
Damit sprechen die CIS Controls dieselbe Sprache wie unser Kernansatz: Threat-Informed Defense fragt, welche Angriffstechniken für eine Organisation relevant sind – die CIS Controls liefern den Maßnahmenkatalog, dessen Wirkung gegen genau diese Techniken gemessen ist. Das Threat-Profil bestimmt, welche Safeguards zuerst zählen; die Controls machen daraus eine abarbeitbare Liste.
Die 18 Controls im Überblick
Die 18 Controls decken den gesamten Lebenszyklus der Verteidigung ab – vom Wissen, was man überhaupt schützt (Controls 1 und 2), über Härtung und Zugriffskontrolle bis zu Erkennung, Wiederherstellung und dem Test der eigenen Abwehr:
CIS Controls oder ISO 27001?
Die häufigste Frage in der Beratung – und sie beruht auf einem Missverständnis: Die beiden konkurrieren nicht, sie beantworten verschiedene Fragen. ISO 27001 ist ein Managementsystem: Sie regelt, wie eine Organisation Informationssicherheit steuert – mit Risikoanalyse, Richtlinien, Verantwortlichkeiten und einem zertifizierbaren Nachweis. Die CIS Controls sind ein Maßnahmenkatalog: Sie sagen konkret, was technisch zu tun ist, in welcher Reihenfolge, und wie man den Fortschritt misst.
| CIS Controls v8.1 | ISO 27001:2022 | |
|---|---|---|
| Charakter | Präskriptiver Maßnahmenkatalog: 18 Controls, 153 konkrete Safeguards | Managementsystem (ISMS) mit 93 Annex-A-Controls als Rahmen |
| Priorisierung | Eingebaut: drei Implementation Groups, Reihenfolge nach Angriffsrelevanz | Über die eigene Risikoanalyse selbst herzuleiten |
| Wirksamkeitsnachweis | ATT&CK-basiert gemessen (Community Defense Model) | Auditiert wird das Managementsystem, nicht die technische Wirkung |
| Zertifizierung | Keine – aber messbarer, auditierbarer Umsetzungsgrad | Akkreditierte Zertifizierung, international anerkannt |
| Kosten des Rahmenwerks | Kostenlos | Normkauf, Zertifizierungsaudits, Pflege des ISMS |
| Typischer Antrieb | Echte Risikoreduktion, schneller sichtbare Wirkung | Kunden- oder Regulierungsanforderung, Nachweispflicht |
Unsere Haltung: Nicht jedes Unternehmen braucht ein zertifiziertes ISMS. Wer keine Zertifizierungspflicht hat, erreicht mit den CIS Controls oft schneller echte Sicherheit – messbar und ohne Papierberge. Und wer später doch ISO 27001 braucht, verliert nichts: Das CIS stellt ein offizielles Mapping der Safeguards auf die Annex-A-Controls bereit, die umgesetzten Maßnahmen zahlen direkt auf die Zertifizierung ein. Verlangt ein Kunde oder Regulierer das Zertifikat, führt umgekehrt kein Weg an ISO 27001 vorbei – dann werden die CIS Controls zum technischen Rückgrat des ISMS.
So setzen wir die CIS Controls mit Ihnen um
Wir beginnen mit einer Standortbestimmung: Welche Safeguards sind bereits umgesetzt, welche fehlen – und welche Implementation Group passt zu Größe, Risiko und Daten Ihrer Organisation? Auf Wunsch schärfen wir die Priorisierung mit Ihrem Threat-Profil: Die Techniken Ihrer realen Angreifer bestimmen dann, welche Lücken zuerst geschlossen werden – Threat-Informed Defense in der Praxis.
Danach arbeiten wir die Maßnahmen priorisiert ab – von Asset- und Zugriffsmanagement über Konfigurationshärtung bis zum Logging. Sie erhalten einen messbaren Umsetzungsstand statt eines Ordners voller Konzepte, und auf Wunsch den Nachweis für Kunden, Versicherer oder als Vorstufe zur ISO-27001-Zertifizierung.
Häufige Fragen zu den CIS Controls
Was sind die CIS Controls?
Die CIS Critical Security Controls sind ein priorisierter Katalog von 18 Sicherheitsmaßnahmen mit 153 konkreten Einzelschritten, den sogenannten Safeguards – entwickelt aus der Analyse realer Angriffe und frei verfügbar. Drei aufeinander aufbauende Ausbaustufen – die Implementation Groups – machen daraus einen abarbeitbaren Fahrplan: vom Basisschutz für kleine IT-Teams bis zur Verteidigung gegen gezielte Angriffe. Herausgeber ist das gemeinnützige Center for Internet Security; die aktuelle Version 8.1 erschien 2024.
Was kosten die CIS Controls?
Das Rahmenwerk selbst ist kostenlos – das Center for Internet Security stellt Controls, Safeguards und Begleitdokumente frei zur Verfügung. Aufwand entsteht durch die Umsetzung: Zeit des IT-Teams, gegebenenfalls Werkzeuge und externe Unterstützung. Gerade für kleinere Organisationen ist das einer der größten Vorteile gegenüber zertifizierungsgetriebenen Ansätzen.
Was ist eine Implementation Group – und welche brauchen wir?
Die drei Implementation Groups (IG1 bis IG3) sind die eingebaute Priorisierung der CIS Controls: IG1 umfasst 56 grundlegende Safeguards für jede Organisation, IG2 erweitert auf 130 für gewachsene IT-Umgebungen mit regulierten Daten, IG3 umfasst alle 153 für Organisationen im Fokus gezielter Angreifer. Die Wahl richtet sich nach Größe, Risikoprofil und Datenarten – der Einstieg ist praktisch immer IG1.
Reicht IG1 wirklich aus?
Für die häufigsten Angriffe: erstaunlich weit. Nach dem Community Defense Model des CIS verteidigt IG1 gegen 77 Prozent der ATT&CK-Techniken der fünf häufigsten Angriffsarten, bei Ransomware gegen 78 Prozent. Ob das für Ihre Organisation genügt, hängt von Ihrer realen Bedrohungslage ab – genau das klärt ein Threat-Profil: Stehen Sie im Fokus gezielter Angreifer, braucht es mehr als Basisschutz.
CIS Controls oder ISO 27001 – was sollten wir zuerst machen?
Wenn kein Kunde und kein Regulierer ein Zertifikat verlangt: die CIS Controls – sie führen schneller zu messbarer Sicherheit und kosten kein Rahmenwerk. Besteht eine Nachweispflicht, führt an ISO 27001 kein Weg vorbei; die CIS Controls werden dann zum technischen Rückgrat des ISMS. Dank des offiziellen Mappings auf die Annex-A-Controls geht keine Vorarbeit verloren, wenn die Zertifizierung später dazukommt.
Kann man sich nach den CIS Controls zertifizieren lassen?
Eine akkreditierte Zertifizierung wie bei ISO 27001 gibt es nicht. Der Umsetzungsgrad lässt sich aber sauber messen und gegenüber Kunden, Versicherern oder Prüfern belegen – je Safeguard und Implementation Group. Für viele Anfragen, etwa von Cyber-Versicherern, ist genau dieser Nachweis das, was tatsächlich zählt.

Daniel Thomas Heessel wurde als CISO des Jahres 2026 ausgezeichnet und hat als Security-Verantwortlicher einer internationalen Unternehmensgruppe Sicherheitsprogramme entlang realer Bedrohungen gesteuert. Er ist zertifizierter ISO 27001 Senior Lead Auditor, CISSP, CISM und MITRE ATT&CK Defender – und kennt damit beide Seiten der Frage „CIS Controls oder ISO 27001?" aus der Praxis.
Fachlich geprüft im August 2026. Alle Zahlen stammen aus den Originaldokumenten des Center for Internet Security (v8.1, Community Defense Model 2.0).