Unser Kernansatz

Threat-Informed Defense

Threat-Informed Defense richtet Sicherheitsstrategie und Maßnahmen am realen technischen Vorgehen der Angreifer aus, die eine Organisation tatsächlich bedrohen. Der Ansatz beantwortet drei Fragen: Wer greift uns wie an? Was tun wir, um uns dagegen zu schützen? Und woher wissen wir, dass unsere Maßnahmen wirklich wirken?

Das Problem

Mehr Budget schützt nicht automatisch besser

Deutsche Unternehmen geben Jahr für Jahr mehr für IT-Sicherheit aus – und werden trotzdem häufiger getroffen, bei immer höheren Schäden. Laut der Bitkom-Studie Wirtschaftsschutz 2025 entstand der deutschen Wirtschaft binnen eines Jahres ein Gesamtschaden von 289,2 Milliarden Euro durch Datendiebstahl, Spionage und Sabotage; 202,4 Milliarden Euro davon – rund 70 Prozent – gehen auf Cyberangriffe zurück. Ransomware verursachte dabei in 34 Prozent der Unternehmen Schäden und bleibt die gefährlichste Einzelbedrohung.

Das Bundeslagebild Cybercrime 2025 des Bundeskriminalamts bestätigt den Trend: 1.041 Ransomware-Angriffe wurden den Polizeien gemeldet, zehn Prozent mehr als im Vorjahr – bei einem erheblich größeren Dunkelfeld. Dazu kommt die wachsende Rolle von Cyberoperationen in der hybriden Kriegsführung, die gezielt gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen destabilisieren sollen.

Die Schlussfolgerung ist unbequem: Steigende Investitionen führen nicht automatisch zu mehr Resilienz. Wer sein Sicherheitsprogramm nicht am tatsächlichen technischen Verhalten der Angreifer ausrichtet, die ihn bedrohen, verteilt Budget mit der Gießkanne – und lässt genau die Lücken offen, die Angreifer tatsächlich nutzen.

Der Ansatz

Was ist Threat-Informed Defense?

Threat-Informed Defense richtet Sicherheitsstrategie und Maßnahmen am realen technischen Vorgehen der Angreifer aus, die eine Organisation tatsächlich bedrohen. Der Ansatz beantwortet drei Fragen: Wer greift uns wie an? Was tun wir, um uns dagegen zu schützen? Und woher wissen wir, dass unsere Maßnahmen wirklich wirken?

Threat-Informed Defense ist kein Produkt und kein Projekt, sondern ein fortlaufender Kreislauf aus drei Phasen: Cyber Threat Intelligence beantwortet, wer die Organisation wie angreift. Defensive Measures richtet die Schutz- und Erkennungsmaßnahmen gezielt gegen genau diese Techniken aus. Testing & Evaluation belegt, dass die Maßnahmen wirklich wirken – und speist die Erkenntnisse zurück in den nächsten Durchlauf.

Vorangetrieben wird der Ansatz von der internationalen Cybersecurity-Community – allen voran von der MITRE Corporation und dem Center for Threat-Informed Defense, zu dessen Gründungsmitgliedern neben MITRE unter anderem Microsoft, Amazon Web Services und IBM zählen. Das Center bündelt Forschung und frei verfügbare Werkzeuge, vom Projekt M3TID (Measure, Maximize, and Mature Threat-Informed Defense), dessen drei Dimensionen genau diesen Phasen entsprechen, bis zur Adversary Emulation Library für realitätsnahe Angriffssimulationen.

THREAT-INFORMEDDEFENSEPHASE ICyber Threat IntelligenceWer greift uns wie an?PHASE IIDefensive MeasuresWas tun wir, um uns zu schützen?PHASE IIITesting & EvaluationWoher wissen wir, dass unsereMaßnahmen wirken?
Eigene Darstellung nach MITRE Center for Threat-Informed Defense (M3TID)
Phase I

Cyber Threat Intelligence

Sammeln, analysieren und priorisieren: Welche Angreifer sind für die eigene Organisation relevant, und welche technischen Verhaltensweisen (TTPs) nutzen sie? Das Ergebnis ist eine priorisierte Liste der Angriffstechniken, gegen die sich die Organisation nachweisbar verteidigen können muss.

Phase II

Defensive Measures

Schutz- und Erkennungsmaßnahmen gezielt gegen diese Techniken ausrichten: vorhandene Kontrollen den relevanten TTPs zuordnen, Lücken priorisiert schließen – unter Abwägung von Wirkung, Aufwand und Risikoappetit. Das ATT&CK Framework liefert dafür erprobte Gegenmaßnahmen und Erkennungslogik.

Phase III

Testing & Evaluation

Die Wirksamkeit belegen statt vermuten: von der einfachen Stichprobe durch eigene Administratoren bis zum Penetrationstest oder zur Breach-and-Attack-Simulation entlang der realen Angriffskette. Die Ergebnisse fließen zurück in den nächsten Durchlauf – der Kreislauf beginnt von vorn.

Warum TTPs?

Die Pyramid of Pain: wo Verteidigung Angreifern wehtut

Warum richtet Threat-Informed Defense den Blick auf Verhaltensweisen statt auf klassische Erkennungsmerkmale? Angreifer passen ihre Vorgehensweisen kontinuierlich an, um möglichst lange unentdeckt zu bleiben. Erkennungsmerkmale wie IP-Adressen, Domains und Hash-Werte von Dateien zu ändern, fällt ihnen leicht. Ihre grundlegenden technischen Ziele und Verhaltensweisen – die sogenannten Tactics, Techniques and Procedures (TTPs) – lassen sich dagegen nur sehr schwer verschleiern.

Genau diese Asymmetrie veranschaulicht die Pyramid of Pain des Sicherheitsforschers David J. Bianco: Sie ordnet Angriffsindikatoren danach, wie viel Aufwand und Schmerz es Angreifer kostet, sie zu ändern oder zu verschleiern, sobald Verteidiger sie ins Visier nehmen. Ein Datei-Hash ändert sich mit jedem Neukompilieren, IP-Adressen und Domains sind in Minuten ersetzt – wer seine Verteidigung vor allem darauf stützt, spielt ein Katz-und-Maus-Spiel, das der Angreifer immer gewinnt. Wer ihm dagegen seine TTPs nimmt, zwingt ihn, sein Vorgehen neu zu erfinden: Das ist teuer, langsam und fehleranfällig. TTPs sind deshalb das Mittel der Wahl, um Angreifer zu verstehen und sich wirksam gegen sie zu schützen – Threat-Informed Defense setzt an der Spitze der Pyramide an.

TTPsmaximaler SchmerzToolsaufwendigNetzwerk-/Host-ArtefaktelästigDomain-NameneinfachIP-AdressenleichtHash-Wertetrivial
Eigene Darstellung nach David J. Bianco: The Pyramid of Pain (2013)
Das Werkzeug

MITRE ATT&CK: die Sprache der Angreifer

Um TTPs systematisch zu erfassen, braucht es eine gemeinsame Sprache. Das MITRE ATT&CK Framework strukturiert das Wissen über Angreiferverhalten aus real beobachteten Angriffen:

Taktik
Das Ziel des Angreifers in einer Angriffsphase – etwa initialen Zugriff erlangen, Verteidigung umgehen oder Daten verschlüsseln.
Technik
Die technische Vorgehensweise, mit der er dieses Ziel erreicht – etwa das Ausnutzen einer öffentlich erreichbaren Anwendung.
Sub-Technik
Eine spezifischere Ausprägung einer Technik – etwa das gezielte Abschalten von Sicherheitswerkzeugen.
Prozedur
Die konkrete Umsetzung: wie und in welcher Reihenfolge ein bestimmter Angreifer Techniken tatsächlich einsetzt.

In der aktuellen Version 18 (Oktober 2025) umfasst die Enterprise-Matrix 14 Taktiken mit 216 Techniken und 475 Sub-Techniken. Neu seit v18: Statt einfacher Erkennungshinweise liefert das Framework strukturierte Detection Strategies mit über 1.700 konkreten Analytics – ein erheblicher Praxisgewinn für den Aufbau wirksamer Erkennung.

Der ATT&CK Navigator visualisiert diese TTPs in Form einer Tabelle: Jede Taktik entspricht einer Spalte, Techniken und Sub-Techniken den Zeilen darunter. In Anlehnung an den typischen Ablauf eines Cyberangriffs (vgl. Cyber Kill Chain) sind die Taktiken chronologisch angeordnet. So wird sichtbar, welche Techniken für die eigene Bedrohungslage relevant sind und wo die eigene Abdeckung steht.

Gepflegt wird das Framework von einer weltweiten Community rund um MITRE und das Center for Threat-Informed Defense – von Konzernen wie Microsoft und Amazon Web Services über internationale und nationale Cybersicherheitsbehörden wie das deutsche BSI bis zu kleineren Unternehmen und Einzelpersonen. Sie teilen Analysen realer Cyberangriffe und stellen sicher, dass ATT&CK kontinuierlich erweitert wird und neben der Kategorisierung der TTPs konkrete Zusatzinformationen bietet.

Die drei Phasen in der Praxis

Ein Beispiel: Ransomware in Deutschland 2025/26

Wie der Kreislauf konkret funktioniert, zeigt ein Bedrohungsszenario, das praktisch jede Organisation betrifft: Ransomware. Das Bundeslagebild Cybercrime 2025 des BKA zählt rund 100 verschiedene Ransomware-Familien gegen deutsche Ziele; die aktivsten waren Akira, SafePay, INC/Lynx, LockBit und Qilin. 292 deutsche Geschädigte wurden auf Leak-Seiten öffentlich erpresst – 88 Prozent mehr als im Vorjahr. Zwar zahlten nur noch 7 Prozent der Betroffenen Lösegeld, die durchschnittliche Zahlung stieg jedoch um 65 Prozent auf umgerechnet rund 456.000 US-Dollar.

Phase I – Cyber Threat Intelligence: Wer greift uns wie an? Für die in Deutschland aktivste Gruppe Akira liefert das gemeinsame Advisory von FBI, CISA, Europol und deutschen Sicherheitsbehörden (AA24-109A, aktualisiert im November 2025) die TTPs aus realen Ermittlungen, abgebildet auf ATT&CK v18. Bis Ende September 2025 hat die Gruppe rund 244 Millionen US-Dollar erbeutet. Ihr Vorgehen folgt dabei einem Muster, das sich durch die gesamte Ransomware-Landschaft zieht:

Bei der Auswahl und Priorisierung relevanter TTPs helfen auch Projekte des Center for Threat-Informed Defense: Das Sightings Ecosystem hat über 1,6 Millionen Beobachtungen realer Angriffe ausgewertet und daraus die am häufigsten eingesetzten Techniken identifiziert; mit dem Top ATT&CK Techniques Calculator ermitteln Organisationen anhand weniger Angaben die für sie relevanten Techniken. Ein bewährtes Priorisierungsschema: Zuerst kommen die Techniken an die Reihe, die möglichst viele relevante Angreifer einsetzen.

Technik (ATT&CK-ID)TaktikVorgehen laut Advisory
Valid Accounts (T1078) / External Remote Services (T1133)Initial AccessZugriff über VPN- und Remote-Zugänge ohne Multi-Faktor-Authentisierung, mit gestohlenen oder erratenen Zugangsdaten
Exploit Public-Facing Application (T1190)Initial AccessAusnutzen bekannter Schwachstellen in öffentlich erreichbaren Systemen, v. a. VPN-Gateways und Firewalls
Disable or Modify Tools (T1562.001)Defense EvasionBeenden von Antivirus-Prozessen und Deinstallation von EDR-Systemen vor der eigentlichen Attacke
Exfiltration (T1048, T1537)ExfiltrationDatenabfluss per WinSCP/Rclone und zu Cloud-Speichern als Druckmittel der Double Extortion
Inhibit System Recovery (T1490)ImpactLöschen von Schattenkopien und Backups, um die Wiederherstellung zu verhindern
Data Encrypted for Impact (T1486)ImpactVerschlüsselung der Systeme als finaler Schritt

Phase II – Defensive Measures: Was tun wir, um uns zu schützen? Für jede dieser Techniken liefert das ATT&CK Framework erprobte Gegenmaßnahmen, die sich direkt priorisieren lassen: Multi-Faktor-Authentisierung auf ausnahmslos allen Remote-Zugängen (T1078/T1133), konsequentes Patchen der von Angreifern aktiv ausgenutzten Schwachstellen auf Edge-Systemen (T1190), Manipulationsschutz im Endpoint-Schutz und eingeschränkte Administratorrechte (T1562.001), überwachter Datenabfluss (T1048) sowie Offline-Backups, die Angreifer nicht löschen können (T1490). Was davon umgesetzt wird, entscheidet die Organisation nach Wirkung, Aufwand und Risikoappetit.

Wie konkret diese Hilfestellung ausfällt, zeigt die Technik „Disable or Modify Tools" (T1562.001): Gegen das Abschalten von Sicherheitswerkzeugen definiert das Framework zwei Arten erprobter Maßnahmen:

Schutzmaßnahmen (Mitigations)
Benutzerrechte einschränken, damit sicherheitsrelevante Werkzeuge nicht deaktiviert oder modifiziert werden können; Richtlinien, die den Zugang zu diesen Werkzeugen begrenzen und ihre Verwendung überwachen; regelmäßige Überprüfung der Sicherheitskonfigurationen; Endpoint-Schutz mit Manipulationsschutz (Tamper Protection).
Erkennungsmaßnahmen (Detections)
Änderungen an sicherheitsrelevanten Werkzeugen und Systemdateien überwachen; ungewöhnliche Aktivitäten erkennen, die auf Deaktivierung oder Manipulation hindeuten; Integritätsprüfungen sicherheitsrelevanter Dateien und Programme; Analyse von Logs und Ereignissen auf Manipulationsversuche.

Weitere Hilfestellung liefern die Center-Projekte „Summiting the Pyramid" – Erkennungslogik, die Angreifer nicht einfach umgehen können – und „Controls Mapping", das die Maßnahmen mit Standards wie NIST 800-53 und ISO 27001 abgleicht, sowie die seit ATT&CK v18 verfügbaren Detection Strategies und Analytics mit konkreter Erkennungslogik je Technik.

Phase III – Testing & Evaluation: Woher wissen wir, dass unsere Maßnahmen wirken? Belegen statt vermuten – und das muss nicht teuer sein. Ein Einstieg mit Bordmitteln: Fachkundige Administratoren prüfen, ob sich der Endpoint-Schutz in verschiedenen Benutzerkontexten außerplanmäßig beenden lässt, ob wirklich jeder Remote-Zugang MFA erzwingt und ob die Wiederherstellung aus dem Offline-Backup tatsächlich funktioniert. Organisationen mit höherem Reifegrad testen strukturiert: Penetrationstests oder Breach-and-Attack-Simulationen entlang der realen Angriffskette – Initial Access, Defense Evasion, Exfiltration, Impact. Getestet werden sollte immer auch die organisatorische Seite: Wurde der Angriffsversuch erkannt, gemeldet und nach definiertem Prozess behandelt? Die Ergebnisse fließen zurück in Phase I – der Kreislauf beginnt von vorn.

Fazit

Punktgenau statt Gießkanne

Durch die strukturierte Analyse der Verhaltensweisen relevanter Angreifer ermöglicht Threat-Informed Defense eine punktgenaue Steuerung der Investitionen in Cybersicherheit. Wer die TTPs aktueller und potenzieller Angreifer kontinuierlich überwacht und bewertet, kann seine Sicherheitsstrategie dynamisch anpassen und die eigene Resilienz messbar stärken.

Der Ansatz ist niederschwellig und auch für Organisationen mit niedrigerem Reifegrad anwendbar: Die gezeigten Beispiele funktionieren unabhängig von Größe und Budget. Integriert in ein umfassendes Sicherheitskonzept, das auch Awareness und Basishygiene umfasst, löst Threat-Informed Defense die Divergenz zwischen steigenden Investitionen und echter Resilienz auf.

Umsetzung

So bringen wir Threat-Informed Defense in Ihre Organisation

Drei Einsatzfelder, in denen die Methodik heute wirkt – vom eigenen ISMS bis zur Lieferkette.

ISMS-Steuerung

Wir priorisieren Sicherheitsmaßnahmen entlang realer Bedrohungen, statt Normkapitel abzuarbeiten. Compliance mit ISO 27001, NIS2 oder DORA entsteht als dokumentiertes Ergebnis wirksamer Sicherheit – nicht als deren Ausgangspunkt. Über MITRE ATLAS (KI) und ATT&CK for ICS (OT) lässt sich dieselbe Steuerungslogik auf weitere Domänen übertragen.

Detection Engineering

NIS2 und DORA fordern, den Angreifer in den Mittelpunkt der Sicherheitsmaßnahmen zu stellen. In der Praxis wird stattdessen oft alles geloggt – ohne Priorisierung. Aus den relevanten Angreifern leiten wir punktgenau ab, welche Log-Quellen und Erkennungsregeln tatsächlich gebraucht werden.

Third-Party Risk

Statt generischer Fragebögen („Haben Sie ein SIEM?") formulieren wir angreiferspezifische Anforderungen an Dienstleister: Welche Angreifer sind für die Geschäftsbeziehung relevant, welches Verhalten ist zu erwarten, und welche Erkennungsfähigkeiten müssen nachweisbar sein?

FAQ

Häufige Fragen zu Threat-Informed Defense

Was ist Threat-Informed Defense?

Threat-Informed Defense richtet Sicherheitsstrategie und Maßnahmen am realen technischen Vorgehen der Angreifer aus, die eine Organisation tatsächlich bedrohen. Der Ansatz beantwortet drei Fragen: Wer greift uns wie an? Was tun wir, um uns dagegen zu schützen? Und woher wissen wir, dass unsere Maßnahmen wirklich wirken? Der Ansatz wurde maßgeblich von der MITRE Corporation und dem Center for Threat-Informed Defense geprägt und ist ein fortlaufender Kreislauf aus drei Phasen: Cyber Threat Intelligence, Defensive Measures und Testing & Evaluation.

Worin unterscheidet sich Threat-Informed Defense von Compliance-getriebener Sicherheit?

Compliance-getriebene Sicherheit arbeitet Kontrollkataloge ab und beantwortet die Frage „Erfüllen wir den Standard?". Threat-Informed Defense beantwortet die Frage „Stoppen wir unsere realen Angreifer?" – und priorisiert Maßnahmen nach ihrer Wirkung gegen die Techniken, die relevante Angreifer nachweislich einsetzen. Beides schließt sich nicht aus: Wer bedrohungsorientiert priorisiert, erfüllt Standards wie ISO 27001 oder NIS2 als Ergebnis wirksamer Sicherheit, nicht als Selbstzweck.

Was ist die Pyramid of Pain?

Die Pyramid of Pain (David J. Bianco, 2013) ordnet Angriffsindikatoren danach, wie schwer sie für Angreifer zu ändern sind: Hash-Werte, IP-Adressen und Domains am Fuß der Pyramide sind nahezu kostenlos austauschbar, die Verhaltensweisen (TTPs) an der Spitze dagegen kaum. Verteidigung, die an TTPs ansetzt, verursacht Angreifern deshalb den größten Schmerz – das ist die konzeptionelle Grundlage der Threat-Informed Defense.

Brauchen wir dafür ein SOC oder ein großes Security-Team?

Nein. Threat-Informed Defense ist niederschwellig und skaliert mit dem Reifegrad: Schon eine Stichprobe durch eigene Administratoren – etwa der Versuch, den Endpoint-Schutz außerplanmäßig zu beenden – ist ein valider Test gegen eine der meistgenutzten Angriffstechniken. Mit wachsendem Reifegrad kommen strukturierte Tests wie Penetrationstests oder Breach-and-Attack-Simulationen hinzu.

Welche Rolle spielt MITRE ATT&CK dabei?

MITRE ATT&CK ist das wichtigste Arbeitsinstrument der Threat-Informed Defense: eine strukturierte, aus real beobachteten Angriffen gepflegte Wissensbasis der Taktiken, Techniken und Prozeduren (TTPs) von Angreifern. Sie liefert die gemeinsame Sprache, um Bedrohungsinformationen, Schutzmaßnahmen und Tests aufeinander zu beziehen – inklusive konkreter Gegenmaßnahmen und Erkennungslogik je Technik.

Wie starten wir konkret?

Am Anfang steht das eigene Threat-Profil: Welche Angreifer bedrohen Organisationen wie Ihre, und welche Techniken nutzen sie? Genau das liefert unser Threat-Reality Check. Danach richten Sie Ihre Maßnahmen gezielt gegen diese Techniken aus und belegen ihre Wirksamkeit (Security Validation). Einen ersten Eindruck Ihrer Bedrohungslage vermittelt unser kostenloser Schnell-Check.

Daniel Thomas Heessel
Daniel Thomas Heessel
Gründer & Geschäftsführer, Threat-Informed Cybersecurity Solutions GmbH

Daniel Thomas Heessel wurde als CISO des Jahres 2026 ausgezeichnet und hat Threat-Informed Defense zuvor als Security-Verantwortlicher einer internationalen Unternehmensgruppe eingeführt. Aus der Überzeugung, dass Verteidigung bei den Angreifern anfangen muss, gründete er Threat-Informed.

Dieser Beitrag basiert auf dem Fachartikel „Threat-Informed Defense in a Nutshell", erschienen in der IT-SICHERHEIT (Juli 2024), und wurde für diese Seite überarbeitet und auf den Stand von August 2026 gebracht. Zum Original-Artikel