BCM nach ISO 22301
Wir bauen Ihr Business Continuity Management so, dass es im Alltag gepflegt wird und im Ernstfall trägt: Business-Impact-Analyse, belastbare Wiederanlaufziele, Notfall- und Wiederanlaufpläne und eine Notfallorganisation, die auch besetzt ist. Den Ausbaugrad bestimmen Sie, vom schlanken Einstieg nach BSI-Standard 200-4 bis zum zertifizierungsfähigen System nach ISO 22301.
Die Frage, die vor dem Ausfall niemand beantwortet
Fast jede Organisation hat Backups, und fast keine kann sagen, welcher Prozess nach einem Ausfall zuerst wieder laufen muss und wie lange sie es ohne ihn tatsächlich aushält. Solange diese beiden Fragen offen sind, ist jede Wiederherstellung eine Improvisation, und im Zweifel entscheidet der, der am lautesten ruft.
Für viele kommt der Anlass inzwischen von außen. Das BSIG verlangt in § 30 Absatz 2 ausdrücklich Maßnahmen zur Aufrechterhaltung des Betriebs, einschließlich Backup-Management, Wiederherstellung nach einem Notfall und Krisenmanagement. Für Finanzunternehmen wird DORA in Artikel 11 noch deutlicher: eine eigene Leitlinie zur Geschäftsfortführung, eine Business-Impact-Analyse und Tests der Pläne mindestens einmal jährlich.
Beide Regelwerke sagen jedoch nicht, wie schnell Sie wieder laufen müssen. Diese Zahl kann Ihnen niemand vorgeben, sie kommt aus Ihrem Geschäft. Genau dort fängt BCM an.
Die Business-Impact-Analyse: Schaden über Zeit
Eine Risikoanalyse arbeitet mit zwei Größen: Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensausmaß. Womit ist zu rechnen, und was kostet es, wenn es eintritt? Die Business-Impact-Analyse fragt danach bewusst nicht. Sie unterstellt den Ausfall als eingetreten und misst nur noch, wie schnell der Schaden wächst. Die Risikoanalyse beantwortet also das Ob und das Wie viel, die BIA das Wie schnell. Zeitziele lassen sich ausschließlich aus der zweiten Frage ableiten, und deshalb ersetzt keine der beiden die andere.
Das Ergebnis dieser Betrachtung ist je kritischem Prozess eine Zahl: die maximal tolerierbare Ausfallzeit, kurz MTA. Sie beschreibt, wie lange dieser Prozess ausfallen darf, bevor der Schaden die Organisation ernsthaft gefährdet. Sie ist die einzige Größe im BCM, die nicht verhandelbar ist, denn sie kommt aus dem Geschäft und nicht aus der Planung.
Steht das Band, entsteht der Schaden sofort: Ausbringung, Termintreue, Vertragsstrafen. Der Übergang von spürbar zu kritisch dauert kaum eine Schicht. Bei solchen Prozessen lohnt sich teure Redundanz, weil jede eingesparte Stunde direkt zählt.
Am Anfang trägt die Organisation den Ausfall über Telefon und E-Mail. Kritisch wird es an dem Punkt, an dem Servicezusagen reißen und Kunden abwandern. Dieser Umschlag ist das, was eine Risikoanalyse nicht zeigt: Der Schaden wächst nicht gleichmäßig.
Tagelang fast folgenlos, und dann bestimmt der Kalender: Meldefristen, Löhne, Abschlüsse. Die tolerierbare Ausfallzeit hängt hier nicht an der Dauer allein, sondern daran, wann der Ausfall stattfindet. Am Monatsende ist derselbe Prozess ein anderer.
Die MTA ist keine Zahl für das Unternehmen, sondern eine je Prozess. Die Produktion erreicht ihre Grenze in wenigen Stunden, das Kundenportal nach ein bis zwei Tagen, und bei der Buchhaltung entscheidet nicht die Dauer, sondern der Kalender. Wer daraus eine einheitliche Wiederanlaufzeit macht, überversorgt die einen und lässt die anderen ungeschützt.
Zur BIA gehören außerdem die Abhängigkeiten, ohne die kein Prozess läuft: Vorprodukte, Dienstleister, Standorte, Schlüsselpersonal und erst danach die IT. Für Finanzunternehmen ist die BIA nicht optional, Artikel 11 Absatz 5 DORA verlangt sie ausdrücklich, einschließlich der Betrachtung von Abhängigkeiten und deren Wechselwirkungen.
RTO und RPO: zwei Zahlen, zwei Richtungen
Aus der maximal tolerierbaren Ausfallzeit werden die beiden Zahlen, mit denen sich planen lässt. Sie sind schnell auseinanderzuhalten, wenn man sie auf eine Zeitachse legt: Der Ausfall liegt in der Mitte, die Verfügbarkeit bricht ein und kommt in Stufen zurück, und die beiden Ziele zeigen in verschiedene Richtungen.
Der RPO misst vom Ausfall zurück bis zum letzten konsistenten Datenstand. Er beantwortet, wie viel Datenverlust die Organisation verkraftet, und ist damit unmittelbar eine Aussage über die Sicherungsfrequenz. Ein RPO von vier Stunden und eine nächtliche Sicherung passen nicht zusammen.
Der RTO misst vom Ausfall nach vorn bis zu dem Punkt, an dem der Prozess wieder arbeitsfähig ist. Wichtig: Gemeint ist der Notbetrieb, nicht der Normalbetrieb. Der RTO bestimmt den Aufwand für Redundanz, Ersatzverfahren und Bereitschaft.
Die MTA ist keine Planungsgröße, sondern eine Grenze. Sie kommt aus der Business-Impact-Analyse und beschreibt, ab wann die Fortführung des Geschäfts ernsthaft bedroht ist. Der RTO muss darunter liegen, und zwar mit Abstand, sonst ist der Plan schon auf dem Papier gescheitert.
Der praktische Wert liegt in dem, was aus den Zahlen folgt. Der RPO ist eine Aussage über Ihre Sicherungsfrequenz: Wer vier Stunden Datenverlust verkraftet, aber einmal nachts sichert, hat kein Zeitziel, sondern eine Hoffnung. Der RTO ist eine Aussage über Ihr Budget, denn jede Stunde weniger Wiederanlaufzeit kostet Redundanz, Vorhaltung oder Bereitschaft.
Ein Detail, das oft untergeht: Der RTO endet beim Notbetrieb, nicht beim Normalbetrieb. Zwischen beidem liegt in der Praxis die längste Strecke. Wer den RTO gegen den vollständigen Wiederanlauf plant, kauft Redundanz, die er nicht braucht; wer den Notbetrieb nicht definiert, weiß im Ernstfall nicht, wann er fertig ist.
Es muss nicht sofort ISO 22301 sein
Der häufigste Grund, warum BCM in mittelständischen Organisationen nie anfängt, ist die Größe des Vorhabens. Das BSI hat darauf reagiert und dem Standard 200-4 ein Stufenmodell mitgegeben. Es gibt zwei vereinfachte Einstiegsstufen und eine Vollstufe:
Nur die Vollstufe ist konform zur ISO 22301:2019 und damit zertifizierungsfähig. Für den BSI-Standard selbst ist derzeit keine Zertifizierung vorgesehen. Praktisch heißt das: Wenn niemand ein Zertifikat sehen will, können Sie mit dem Reaktiv-BCMS anfangen und trotzdem am Ernstfall gemessen besser dastehen als mit einem Ordner voller unerprobter Konzepte.
Von der Analyse bis zur ersten Übung
Wir arbeiten in der Reihenfolge, die trägt, und hören nicht auf, wenn die Pläne geschrieben sind:
Welche Stufe für Sie sinnvoll ist, klären wir am Anfang und nicht am Ende. Falls sich herausstellt, dass Sie mit einer geordneten Notfallorganisation und drei belastbaren Plänen schon weit kommen, sagen wir das auch.
BCM ist nicht IT-Notfallwiederherstellung
Die häufigste Verkürzung: BCM sei das, was die IT nach einem Ausfall tut. Tatsächlich ist die technische Wiederherstellung nur ein Teil davon. BCM fragt zuerst nach dem Geschäftsprozess und erst danach nach den Systemen, und es umfasst auch die Fälle ohne IT-Bezug, den Ausfall eines Standorts, eines Vorlieferanten oder von Schlüsselpersonal.
Deshalb bauen wir auch keine technische Redundanz. Wir bestimmen, was sie leisten muss, und übersetzen das in Anforderungen an Ihre IT oder Ihren Dienstleister. Die Umsetzung im Rechenzentrum bleibt dort, wo die Verantwortung dafür ohnehin liegt.
Und wir zertifizieren nicht. Eine Zertifizierung nach ISO 22301 erteilt eine akkreditierte Stelle, nicht der Berater, der das System gebaut hat. Wir bereiten darauf vor und begleiten Sie durch das Audit, mehr wäre in der Rolle nicht zulässig.
Häufige Fragen zum BCM
Was ist der Unterschied zwischen RTO und RPO?
Beide sind Zeitziele, aber sie zeigen in verschiedene Richtungen. Der Recovery Point Objective (RPO) blickt vom Vorfall zurück und beantwortet, wie viel Datenverlust verkraftbar ist; er bestimmt damit die nötige Sicherungsfrequenz. Der Recovery Time Objective (RTO) blickt nach vorn und beantwortet, wie lange ein Prozess stillstehen darf; er bestimmt den Aufwand für Redundanz und Ersatzverfahren. Beide müssen unterhalb der maximal tolerierbaren Ausfallzeit liegen, die aus der Business-Impact-Analyse kommt.
Brauchen wir wirklich eine Business-Impact-Analyse?
Ohne sie sind RTO und RPO geraten. Die BIA ist der einzige Schritt, der den Schadensverlauf über die Zeit sichtbar macht, also den Unterschied zwischen zwei Stunden Ausfall und zwei Tagen. Die Risikoanalyse arbeitet mit Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensausmaß, die BIA unterstellt den Ausfall und misst die Zeit. Nur aus der zweiten Betrachtung lässt sich eine maximal tolerierbare Ausfallzeit ableiten. Für Finanzunternehmen ist sie zudem nicht optional: Artikel 11 Absatz 5 DORA verlangt sie ausdrücklich. Der Aufwand lässt sich steuern, indem man den Geltungsbereich klein anfängt und nicht jeden Prozess im Haus gleich mitnimmt.
Müssen wir uns nach ISO 22301 zertifizieren lassen?
Nur, wenn jemand den Nachweis verlangt, also typischerweise ein Großkunde, eine Konzernmutter oder eine Aufsicht. Der BSI-Standard 200-4 bietet mit dem Reaktiv-BCMS und dem Aufbau-BCMS zwei vereinfachte Einstiegsstufen; erst die Vollstufe, das Standard-BCMS, ist konform zur ISO 22301:2019 und damit zertifizierungsfähig. Für den BSI-Standard selbst ist derzeit keine Zertifizierung vorgesehen.
Verlangt NIS2 ein BCM?
Das BSIG nennt in § 30 Absatz 2 ausdrücklich die Aufrechterhaltung des Betriebs, einschließlich Backup-Management, Wiederherstellung nach einem Notfall und Krisenmanagement, als Teil der zu ergreifenden Risikomanagementmaßnahmen. Ein zertifiziertes Managementsystem verlangt es damit nicht, wohl aber nachweisbare Vorkehrungen. Wie weit die gehen müssen, richtet sich nach der Verhältnismäßigkeitsregel desselben Paragrafen.
Wie oft muss ein Notfallplan geübt werden?
Für Finanzunternehmen gibt DORA eine klare Untergrenze vor: Artikel 11 Absatz 6 verlangt Tests der Geschäftsfortführungs- sowie der Reaktions- und Wiederherstellungspläne mindestens jährlich und zusätzlich bei wesentlichen Änderungen. Außerhalb des Finanzsektors gibt es keine feste Zahl. Unsere Empfehlung aus der Praxis: die erste Übung, sobald die Pläne stehen, denn Pläne, die nie geübt wurden, versagen im Ernstfall zuverlässig.
Wie lange dauert der Aufbau eines BCM?
Das hängt vom Geltungsbereich und vom Ausbaugrad ab. Eine geordnete Notfallorganisation mit Business-Impact-Analyse für die kritischen Prozesse und den ersten Wiederanlaufplänen ist in überschaubarer Zeit erreichbar. Ein zertifizierungsfähiges Standard-BCMS über die ganze Organisation ist ein Programm und kein Projekt. Der übliche Fehler ist, sofort das Große zu wollen und deshalb gar nicht anzufangen.